Frontstadt

Spielfilm - Regie: Klaus Tuschen

BRD 1982, 92 Min.

Mit: Raimund Büchner, Elke Ebbert, Heinz Krüger, Sibylle Kos, Peter-M. Scheibner

 

Filmgespräch am So. 25.06.2017 - 20:00 Uhr mit Regisseur Klaus Tuschen

Statt einer Filmbeschreibung, möchten wir hier "Die Zeit" zitieren:

„Frontstadt“ von Klaus Tuschen, einem 30jährigen Autodidakten, der das modische Berliner Nacht- und Neon-Kino um ein überraschend ansehnliches Stück bereichert hat. Ganze 55 000 Mark soll diese „No Budget“-Produktion gekostet haben. Doch die notwendigen technischen Mängel gehören zum ruppigen Charme des Films, der lässig einige Außenseiter-Geschichten (die sich nie zu einer wirklichen Story bündeln) mehr andeutet als erzählt. Wir begegnen dem Musik-Kritiker einer Stadt-Zeitung: auf der Suche nach schnellem Sex. Wir kreuzen den Irrweg eines jungen Punks: auf dem Weg in die Selbstzerstörung. Wir folgen einem aus Westdeutschland zugewanderten Angestellten, der lieber Musik machen möchte: auf der Piste durch die Nacht-Kneipen. Außerdem gibt es zu sehen: eine Assemblage von Typen aus der „scene“, diverse Mädchen, den Herzog-Darsteller Bruno S. („Stroszek“) und die Sängerin Joy Rider in Gast-Auftritten. Anders als in neueren Berlin-Filmen wie „Asphalt-Nacht“ oder „Kalt wie Eis“ ist Tuschens Blick auf den fahlen Bauch der Stadt kein touristisch-voyeuristischer, der die kaputten Attraktionen der Nacht so routiniert ausbeutet wie die Stadtrundfahrten inzwischen das Fixer-Elend und den Christiane-F.-Mythos. Tuschen kennt sich aus, er gehört wohl selber zu dieser in vielen Verkleidungen schillernden Neon-Welt. Aber sein Film ist mehr als ein Poesie-Album für Insider. Er ist, meistens jedenfalls, von lakonischem Witz, manchmal auch melancholisch, selten albern, immer mit einem genauen Gespür für den Jargon und die Stilisierungen der Streuner auf ihren kleinen Fluchten. Auch eine Musik-Nummer bleibt im Kopf: „You are leaving the American Sector.“

Die Zeit, 1983

 

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